Gedenkgang der VVN-BdA Düsseldorf am 14.11.2021

20. November 2021

83 Jahre Abschiebung jüdischer Menschen nach Polen – 83 Jahre Pogrom in Düsseldorf – 80 Jahre Deportation nach Minsk

Am 14.11.2021 führt die VVN-BdA Düsseldorf einen Gedenkgang zur Erinnerung an die Opfer der Judenverfolgung und -vernichtung in Düsseldorf durch. Gut 20 Interessierte trafen sich zum Auftakt am Mintropplatz. Im Namen des Düsseldorfer Kreisvorstands begrüßte Gisela Blomberg die Teilnehmer*innen und sprach über die Abschiebung der 441 jüdischen Menschen polnischer Staatsangehörigkeit aus Düsseldorf am 28. Oktober 1938. In verriegelten Eisenbahnwaggons wurden sie an die deutsch-polnische Grenze gebracht und dort ihrem Schicksal überlassen, die Mehrzahl von ihnen wurde unter katastrophalen Bedingungen von den polnischen Behörden interniert.

Diese Vertreibungsaktion bildete den Auslöser für das Attentat des jungen Flüchtlings Herschel Grynszpan – seine Eltern waren auch auf diese Weise verschleppt worden – am 7. November 1938 auf den deutschen Botschaftsangehörigen in Paris, Ernst vom Rath.

Dieses Attentat nahm das Nazi-Regime als gewünschten Anlass für die Reichspogromnacht, in der in Düsseldorf über 500 Einzelhandelsgeschäfte und Wohnungen verwüstet, jüdische Menschen gedemütigt und schwer misshandelt wurden. Mindestens 13 Düsseldorfer*innen überlebten diese Angriffe nicht und die Zahl der Verletzten war sehr groß. Über 120 jüdische Menschen wurden verhaftet, von diesen wurden 82 Männer in das KZ Dachau bei München deportiert. In der Folgezeit fühlten sich viele Menschen in den Suizid getrieben.

Erinnert wurde an die 627 Düsseldorfer*innen, die vor 80 Jahren, d.h. am 10. November 1941, zusammen mit 365 anderen jüdischen Rheinländern in das Ghetto Minsk verschleppt wurden. Nach einem qualvollen Transport wurden sie in einem unwirtlichen Gebiet und bei einer Kälte von minus 26 Grad von prügelnden SS-Kommandos empfangen. Auch an das traurige Schicksal der jüdischen Senior*innen, die nach Theresienstadt deportiert wurden, wurde erinnert.

Gisela Blomberg betonte in ihrer Rede, dass „[d]er faschistische Antisemitismus … als Staatsdoktrin und -praxis mit all seinen Brutalitäten auch der Zurichtung des deutschen Volkes [diente], d.h. seit 1933 wurde dem deutschen Volk auf der einen Seite der Wahn vom Herrenvolk eingeimpft, auf der anderen Seite die antisemitische Lüge vom vorgeblichen ‚bolschewistischen Weltjudentum‘, das danach trachte, die deutsche Herrenrasse zu vernichten. Gesellschaftliche Widersprüche sollten sich nicht im Klassenkampf, sondern im ‚Rassenkampf‘ entladen.

Nicht nur jüdische Menschen wurden zu Feinden der deutschen Herrenrasse erklärt. Die Nazis, denen der Mord an Gegnern und angeblichen Rassefeinden keinerlei Skrupel bereiteten, erklärten auch andere Völker, vor allem die Slawen, die Sinti und Roma und die Menschen des afrikanischen und asiatischen Kontinents zu Untermenschen. Die Bestimmung der Mehrheit der Weltbevölkerung wäre es, vom deutschen Herrenvolk beherrscht und seinen Interessen unterworfen zu sein.“

Im Anschluss an diese Rede wurde Station vor 5 Häusern in der Mintropstraße gemacht. Gedacht wurde der ehemaligen Bewohner*innen, die der „Polenaktion“, der Pogromnacht, der Deportation nach Minsk und später nach Terezin (Theresienstadt) zum Opfer fielen.

Vor jedem Haus wurden Schilder angebracht, die auf das furchtbare Schicksal der ehemaligen Hausbewohner*innen aufmerksam machen. Auch der Stolperstein der Geschwister Rosa und Max Thielen wurde geputzt und eine Kerze und Blumen niedergelegt.

-> PDF der vollständigen Rede von Gisela Blomberg

Mintropstraße 28

In der 1.Etage lebte die Familie Abt, d.h. der Kaufmann Leib Leo Abt, geb. 1890 in Galizien und seine Frau Cilli Abt geb. Walter (geboren 1893 ebenfalls in Galizien) sowie ihre drei Kinder in Düsseldorf geborenen Kinder Anita (1926), Scheindel (1932) und Kläre (1934)

Am 28.10.1938 wurde die ganze Familie in der sogenannten „Polenaktion“ nach Zbaszyn zwangsverschleppt. Die jüngste Tochter Kläre war zu dem Zeitpunkt gerade 4 Jahre alt.

Von Zbasyn wurde die Familie an einen unbekannten Ort deportiert, kein Familienmitglied hat überlebt.

In der 3. Etage lebten der Kaufmann Jakob Löwenstein und seine Frau Marie Löwenstein, geborene Kahn. In der Pogromnacht 1938 verwüstete die SA ihre Wohnung.

Im November 41 erhielten sie den Aufruf zur Deportation und wurden in die Viehhalle des Schlachthofs gebracht. Jakob Löwenstein war 62 Jahre alt und Maria Löwenstein 54 Jahre alt,

Vor 80 Jahren wurden sie am 10.11.1941 wurden sie in das Ghetto Minsk/Weißrussland verschleppt und sind dort zu Tode gekommen.

Mintropstraße 25

In diesem Haus wohnten Jakob Bernhard Baum und seine Frau Regina Baum geb. Kupferblum.Auch sie in der „Polenaktion“ nach Zbasyn abgeschoben, Regina Baum war zu dem Zeitpunkt 58 Jahre alt. Danach verliert sich ihre Spur.

Mintropstraße 15

Stolpersteine für Rosa und Max Thielen

Hier lebten Josef und Anna Thielen mit ihren Kindern Rosa, Max und Marga Esther.

Die Geschwister Rosa, geb. 1923 und Max geb. 1926 hatten die Emigration nach Palästina geplant, deshalb absolvierten sie eine Ausbildung an der damals bekannten jüdischen Gartenbauschule in Ahlem bei Hannover. Zur Emigration kam es nicht und sie kehrten nach Düsseldorf zurück. Rosa arbeite als Hausangestellte Max als Praktikant.

Rosa und Max Thielen wurden in ein „Judenhaus“ in der Teutonenstraße 9 zwangseingewiesen. Von dort wurden auch sie vor 80 Jahren am 10. November 1941 in das Ghetto Minsk / Weißrussland deportiert, Rosa war 18 und Max 15 Jahre alt

Rosas Verlobter, Günther Katzenstein, der die Shoa überlebt hatte, berichtete, dass Rosa Thielen – und vermutlich auch ihr Bruder Max – im März 1943 nach Flucht von Mitgefangenen in einer Strafaktion erschossen wurden. 

Die Eltern Josef und Anna Thielen sowie die jüngere Schwester Marga wurden im November 1943 durch einen Bombenangriff getötet. Anzumerken ist, dass es ab Oktober 1941 eine Bestimmung gab nach der in Luftschutzräumen eine Trennung der jüdischen und der nicht-jüdischen Hausbewohner*innen vorgenommen werden sollte. Es gab auch viele Beispiele, dass jüdischen Hausbewohner*innen der Zutritt zu den Luftschutzkellern seitens der nicht-jüdischen Hausbewohner grundsätzlich verwehrt wurde. Ob dies auch für das Haus Mintropstraße 15 der Fall war, kann heute nicht mehr geklärt werden.

Mintropstraße 7

Hier wohnte im 3. Stock Walter Alexander und seine nichtjüdische Ehefrau Hildegard Alexander geborene Krenkels.

Der kaufmännische Angestellte Walter Alexander war im August 1937 arbeitslos geworden und seine Frau verdiente als selbstständige Schneiderin den Lebensunterhalt.

In der Pogromnacht 1938 wurde die Wohnung verwüstet, die SA warf die gesamte Wohnungseinrichtung vom 3. Stockaus auf die Straße.

Ab August 1939 wurde Alexander Walter zur Zwangsarbeit verpflichtet, bis September 1944 musste in Düsseldorf Aufräum- und Friedhofsarbeiten ausführen. Auch das Ehepaar wurde in das schon erwähnte Judenhaus in der Teutoniastraße9 zwangseingewiesen.

Am 13.01.1943 wurde die Tochter Monika geboren, somit galt die Ehe von Hildegard und Walter Alexander als sogenannte privilegierte Mischehe.

Im September 44 wurde Walter Alexander in das Lennearbeitslager verschleppt, dort musste er unter unmenschlichen Bedingungen in einem unterirdischen Stollen für die Rüstungsindustrie arbeiten. Es ging um die Herstellung eines Jagdflugzeuges für die Luftwaffe, damit war VW unter Ferdinand Porsche beauftragt.

Am 20.02.1945 wurde Walter Alexander von Hannover aus nach Terezin deportiert.

Walter Alexander überlebte und konnte im August 1945 zu seiner Frau und Tochter nach Düsseldorf zurückkehren.

Hier wohnte auch Emmy Lang, ihre Wohnung wurde in der Pogromnacht ebenso wie die Wohnung der Alexanders verwüstet.

Mintropstraße 1

In der 4. Etage wohnte der Vertreter Bernhard Wallach mit seiner Frau Emma Wallach, geborene Simons, und der Tochter Eugene Wallach.

In der Pogromnacht wurde ihre Wohnung wurde völlig zerstört, die Möbel und der gesamte Hausrat wurde auf die Straße geworfen.

Die Tochter Eugene Wallach hat die Shoa überlebt. In einem Brief berichtete sie von der Pogromnacht:

Am 10.November um 10 Uhr kamen sie:

Ich werde immer, solange ich leben werde, die Nazi SA-Horden sehen, wie sie unsere Wohnung verwüsteten und die Möbel aus dem Fenster warfen und auf der Straße in Brand setzen. Unsere ganze Familie sah in jener Nacht die Synagoge in der Kasernenstraße herunterbrennen – die Feuerwehr und die Polizei schauten zu, damit das Feuer nicht auf andere Häuser übergriff. Nach dem Überfall auf unsere Wohnung rannte ich mit meinen 11 Jahren fort, ziellos durch die Düsseldorfer Straßen – den ganzen Tag. Abends lief ich in die Adersstraße, wo die Schwester meiner Mutter und ihr Mann mit ihren beiden Kindern Mira und Werner wohnten…“

Ihre Eltern, Bernhard und Emma Wallach wurden vor 80 Jahren am 10. November 1941 nach Minsk deportiert, sie haben den Holocaust nicht überlebt.

Jonas Simons, der Vater von Emma Wallach, war nach dem Tod seiner Frau Sofie zu seiner Tochter in die Mintropstraße 1. gezogen.

In der Pogromnacht wurde auch sein Zimmer wurde verwüstet und er selbst wurde vom 10. bis zum 11. November in das Polizeigefängnis gebracht.

Ab 1942 lebte er Grafenberger Allee 78-80. Das sich dort befindliche Haus der jüdischen Gemeinde wurde ab 1942 auch als Altenheim für ca. achtzig Senior*innen genutzt.

Von hier aus wurde Jonas Simons: am 21.07.1942 im Alter von 80 Jahren nach Terezin . Im September 1942 wurde er von dort in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt. Von da an verlor sich jegliche Spur und Jonas Simons wurde für tot erklärt.

In diesem Haus lebten auch Isidor und Irma Wallach, geborene Grünwald.

Auch sie wurden von den SA Horden überfallen. Die Wohnung wurde völlig zerstört und das gesamte Mobiliar und der Hausrat wurde auf die Straße geworfen.

Elise Szedliskier und ihre 14 jährige Tochter Charlotte

In der „Polenaktion“ am 28. Oktober 1938 wurden Elise Szedliskier und ihre 14 jährige Tochter Charlotte verhaftet und mit der Reichsbahn in verschlossenen Waggons über die deutsch-polnische Grenze abgeschoben.

Elise und Charlotte Szedliskier gehörten zu den wenigen, die von Zbaszyn nach Düsseldorf zurückkehren konnten. Aber dies war nur eine vorübergehende Rettung,

Zusammen mit Ida Schwarz, die auch in diesem Haus wohnte, wurden Elise und Charlotte Szedliskier am 10.11.1941, d.h. vor 80 Jahren, in das Ghetto Minsk deportiert, wo alle drei zu Tode gekommen sind, Charlotte Szedliskier war erst 17.

Familie Spanier:

Hierzu gehörten Adolf und Amalie Spanier, geb. Kaufmann, sowie der Sohn, der Arzt Dr. Fritz Spanier mit seiner Frau Babette Spanier geb. Seideman, und die Zwillinge Ines und Regine.

In der Pogromnacht wurde auch ihre Wohnung überfallen und demoliert.

Ein Jahr später mussten Adolf und Amalie Spanier ihre Wohnung verlassen, sie wurden in ein „Judenhaus“ in der Konkordiastraße 66zwangseingewiesen.

Von dort wurden sie am 21.07.1942 zusammen mit 309 weiteren Düsseldorfer*innen nach Terezin deportiert, die qualvollen Bedingungen im Ghetto führten im Frühjahr 1944 zu ihrem Tod.

Amalie Spanier wurde 73 Jahre alt, Adolf Spanier, er war 4 Jahre jünger, starb mit 69 Jahren. Ihre Leichen wurden im Krematorium von Terezin verbrannt.

Ihr Sohn, Dr. Fritz Spanier, dem im September 1938 seine Approbation als Arzt entzogen worden war, beschloss nach den Ereignissen der Pogromnacht zusammen mit seiner Frau und den Zwillingen Ines und Regine aus Deutschland zu flüchten. Es war ihnen gelungen an Visa für Kuba und Passagen auf dem Schiff „Sankt Louis“ bekommen.

Bekanntlich wurden den Passagieren der Sankt Louis in Kuba verwehrt, an Land zu gehen. Die Familie Spanier gehörten zu den Passagieren, die am Ende der Irrfahrt im Sommer 1939 in den Niederlanden aufgenommen wurden.

Die Familie Spanier wurden in dem Lager Westerbork interniert und Fritz Spanier zum leitenden Häftlingsarzt ernannt. Als Funktionshäftling galt er während der deutschen deutschen Besatzung als unabkömmlich. Dieser Status schützte ihn und seine Familie bis zur Befreiung vor der Deportation in ein Vernichtungslager.

Über die Rolle von Dr. Spanier in Lager Westerbork gibt es widersprüchliche Aussagen, an dieser Stelle möchte soll an unseren verstorben Düsseldorfer Kameraden Werner Stertzenbach erinnert werden.

Werner Stertzenbach, der ebenfalls im Lager Westerbork interniert war, organisierte eine Widerstandsgruppe, der es unter großem Mut gelang, Häftlinge, die kurz vor der Deportation standen, aus dem Lager zu schmuggeln.

Werner Stertzenbach berichtete, dass er bei diesen Aktionen eine wichtige Unterstützung durch Dr. Spanier erfahren habe. Besonders wichtig war, dass Werner Stertzenbach, dem wie jedem Häftling das Telefonieren strengstens verboten war, in dringenden Fällen über Dr. Spanier telefonische Verbindung zu der Widerstandsgruppe unserer Kameradin Alice Stertzenbach in Amsterdam aufgenommen werden konnte. Der Kontakt nach Amsterdam war äußerst wichtig, da eine Flucht aus Westerbork war nurerfolgreich sein konnte, wenn die Unterbringung der Geflüchteten von außerhalb des Lagers organisiert worden war.

Nach der Befreiung kehrte die Familie Spanier nach Düsseldorf zurück und Dr. Spanier eröffnete wieder eine Hausarztpraxis.

Recherche: Gisela Blomberg

Quellen:

  • Hildegard Jakobs,Angela Genger,Angela Kramp (Hg.):Stolpersteine -Stumbling Stones, Düsseldorf,. 2012
  • Bastian Fleermann/ Angela Genger (Hg.): Das Novemberpogrom in 1938 in Düsseldorf, Essen, 2008
  • Bastian Fleermann/ Hildegard Jakobs: Düsseldorfer Deportationen. Massenverschleppung von 1933 bis zur Befreiung 1945, Düsseldorf, 2015
  • Herbert Schmidt: Der Elendsweg der Düsseldorfer Juden. Chronologie des Schreckens 1933 – 1945, Düsseldorf, 2005
  • Joachim Schröder: Erinnerungsort alter Schlachthof.Ausstellungskatalog, Düsseldorf, 2019
  • Bastian Fleermann, Gerd Genger, Hildegard Jakobs, Immo Schatzschneider: Gedenkbuch für die Toten des Pogroms 1938 auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Nordrhein Westfalen, Düsseldorf, 2019

24. Oktober 2021 Stolpersteingang in Eller / Lierenfeld

3. November 2021

Kerzen und Blumen für die Verfolgten des Nazi Regimes

Seit 2003 werden in Düsseldorf Stolpersteine durch den Kölner Künstler Günter Demmig verlegt, wissenschaftlich und organisatorisch wird dieses Projekt von dem Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte betreut, bis jetzt (August 2021) wurden 372 Stolpersteine verlegt.

Nach Stolpersteingängen in anderen Düsseldorfer Stadtteilen veranstaltete die VVN-BdA Düsseldorf zum ersten Mal einen Stolpersteingang in Eller/Lierenfeld. Zum Glück bei schönstem Wetter führte Gisela Blomberg am Sonntag, den 24.10.2021 zu 18 Stolpersteinen, die vor 8 Häusern liegen, und erinnerte an das Schicksal dieser Menschen, dazu gehörte selbstverständlich auch das Putzen der Stolpersteine, anschließend haben wir Kerzen angezündet und Blumen niedergelegt.

Treffpunkt und Auftakt war auf dem Gertrudisplatz 1, wo die Stolpersteine für Klara Kerz, Paul Maus und Robert Raths liegen, die von den Nazis als minderwertige, asoziale Personen in den Tod geschickt wurden, da sie ihr Recht auf die „Mitgliedschaft in der Volksgemeinschaft“ verwirkt hätten.
Gegen die wohnungslose Klara Kerz wurde ein Schauprozess eröffnet, in dem sie keine Chance auf Verteidigung hatte, ihr Pflichtverteidiger RA Sohnius schloss sich dem Antrag des Staatsanwaltes an. Im Mai 1944 wurde sie mit 25 Jahren zum Tode verurteilt, das Urteil wurde am 6. Juli 1944 im Kölner Gefängnis Klingelpütz vollstreckt.
Alle Prozessbeteiligten, d.h. der ärztliche Gutachter Dr. Fuhrmann, der Staatsanwalt Dr. Hubernagel, der Richter Dr. Gustorf, der Verteidiger RA Sohnius und auch der Scharfrichter Mühl wurden nach 1945 entnazifiziert und konnten wieder ihre alten Positionen einnehmen bzw. wurden befördert.

Paul Maus und Robert Raths, beide 1915 geboren, wurden im Zuge der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ im Juni 1938 ins KZ verschleppt.
Im April 1938 begann die massenweise Einweisung von Menschen, die von den Nazis als „schädlich für die Volksgemeinschaft“ angesehen wurden, in die Konzentrationslager. Dazu zählten besonders: Prostituierte, Obdachlose, sogenannte „Zigeuner“, „Landstreicher“ und „Arbeitsscheue“ – als „arbeitsscheu“ galt, wer zweimal eine vom Arbeitsamt zugewiesene Arbeit abgelehnt oder diesen Arbeitsplatz nach kurzer Zeit wieder verlassen hatte.
Auf diese Weise kamen 10 Tausende in die KZs, wo sie als „Asoziale“ herab gewürdigt wurden und für jeden sichtbar den schwarzen Winkel bekamen.
Paul Maus wurde in das KZ Buchenwald eingeliefert, und kam am 22. August 1941 zu Tode.
Robert Raths kam über verschiedene Lager in das KZ Dachau, von dort im Februar 1943 in die Tötungsanstalt Hartheim bei Linz, wo er noch am selben Tag, dem 23. Februar 1943, ermordet wurde.

An der Gumbertstraße und in der Schlesischen Straße gedachten wir der jüdischen Menschen in Eller / Lierenfeld, die den Holocaust nicht überlebt haben. Sie wurden in den Suizid getrieben, in die Vernichtungslager zwangsverschleppt oder fielen dem Mordprogramm der Euthanasie zum Opfer. Stellvertretend erinnerten wir an die Putzmacherin und Modistin Auguste Leven, an die Familie Brasch, Inhaberin eines Textilgeschäftes in Eller, und die Familie Sternheim.
Auch vor Stolpersteinen politisch Verfolgter legten wir Blumen nieder, so erinnerten wir an den Sozialdemokraten Heinrich Schweden oder den KPD Reichstagsabgeordneten Rudolf Hennig.


Selbstverständlich machten wir auch Halt vor den Stolpersteinen für die Familie Neubeck, die die VVN-BdA Düsseldorf hat verlegen lassen. 2006 hatte sich der Historiker Karl-Heinz Jahnke in der von der VVN Düsseldorf herausgegebenen Broschüren-Reihe „Gesichter des Düsseldorfer Widerstands“ ausführlich mit dem Schicksal der Kommunisten Hans und Anna Neubeck, die beide aus wohlhabenden jüdischen Familien stammten, und ihrer Kinder Herbert und Marianne beschäftigt. Eindrucksvoll wurde aus dem Bericht – einem Fund aus dem Archiv der VVN-BdA NRW- der Widerstandskämpferin Grete Salz, die zusammen mit Anna Neubeck im Zuchthaus Ziegenhain Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie leisten musste, zitiert.

Dieser erste Rundgang in Eller stieß bei den Teilnehmer*innen auf großes Interesse – wir werden diesen gern erneut durchführen.
Interessierte Menschen und Gruppen können sich diesbezüglich jeder Zeit an uns wenden,

Im Frühjahr 2022 werden wir auf jeden Fall wieder einen festen Termin anbieten.

Recherche und Durchführung: Gisela Blomberg
Quellen:

  • Hildegard Jakobs,Angela Genger,Angela Kramp (Hg.):Stolpersteine -Stumbling Stones, Düsseldorf,. 2012
  • Bastian Fleermann: Ulmer Höh‘. Das Gefängnis Düsseldorf-Derendorf im Nationalsozialismus, Düsseldorf, 2021
  • Bastian Fleermann/ Angela Genger (Hg.): Das Novemberpogrom in 1938 in Düsseldorf, Essen, 2008
  • Bastian Fleermann/ Hildegard Jakobs: Düsseldorfer Deportationen. Massenverschleppung von 1933 bis zur Befreiung 1945, Düsseldorf, 2015
  • Karl-Heinz Jahnke: Hans, Anna, Herbert und Marianne Neubeck – eine Familie aus Düsseldorf. VVN Düsseldorf, Gesichter des Düsseldorfer Widerstands, Heft 2, Düsseldorf, 2006
  • Karl Schabrod: Widerstand gegen Flick und Florian. Düsseldorfer Antifaschisten über ihren Widerstand 1933 – 1945, Frankfurt 1978
  • Herbert Schmidt: Der Elendsweg der Düsseldorfer Juden. Chronologie des Schreckens 1933 – 1945, Düsseldorf, 2005
  • Herbert Schmidt, Todesurteile in Düsseldorf. 1933 – 1945, Düsseldorf, 2008
  • VVN Düsseldorf: Ungesühnte Nazi-Morde, Düsseldorf 1978
  • Landesarchiv der VVN-BdA NRW in Oberhausen
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_D%C3%BCsseldorf

Gedenken an die Opfer des Pogroms vom 9./10. November 1938 in Düsseldorf und ihre Deportation

27. Oktober 2021

Rundgang und Gedenken

Auch in Düsseldorf wurde vor 83 Jahren der Befehl zu einem abscheulichen Pogrom an den jüdischen Einwohner*innen der Stadt gegeben.

Die große Synagoge an der Kasernenstraße und andere Einrichtungen der jüdischen Gemeinde wurden in Brand gesteckt, bzw. zerstört. SA und SS verwüsteten nahezu 500 Einzelhandelsgeschäfte und Wohnungen. Möbel, Hausrat und Kunstwerke wurden demoliert und auf die Straße geworfen, dabei wurden jüdische Menschen schwer misshandelt. Mindestens 13 Menschen überlebten diese Überfälle nicht. Die Zahl der Verletzten war sehr groß. Über 120 jüdische Menschen wurden verhaftet. Von ihnen wurden 82 Männer u.a. in das KZ-Dachau bei München deportiert.

Mit diesem Überfall auf die jüdische Bevölkerung begann die letzte Etappe der seit 1933 betriebenen Strategie der Vertreibung der Juden aus Deutschland, die schließlich im Holocaust endete. Das Pogrom ließ keinen Zweifel mehr daran, dass es für jüdische Menschen keine Zukunft mehr in ihrem Vaterland geben sollte. Gleichzeitig wurde die Volksmehrheit darauf eingestimmt, wie mit Menschen, die nicht zur „arischen Herrenrasse“ gezählt wurde und zu Gegner des Regimes gemacht wurde, umgegangen werden sollte.

Die VVN-BdA will der Opfer mit einem Gang durch die Mintropstraße, in der mindestens 8 Wohnungen/Geschäftsräume verwüstet und jüdische Menschen bzw. Familien misshandelt wurden, gedenken.

Am 10. November jährt sich die Verschleppung von 627 jüdischen Menschen aus Düsseldorf zum 80. Mal. Einige von ihnen wohnten in der Umgebung des Mintropplatzes, auch vor ihren Häusern werden wir Blumen niederlegen und Kerzen aufstellen.

Treffpunkt: Sonntag, 14. November, 14.00 Uhr am Mintropplatz / Düsseldorf

Gemeinsame Anreise nach Köln: VERSAMMLUNGSGESETZ NRW STOPPEN!

26. Oktober 2021

Der legitime und demokratische Protest gegen das geplante Versammlungsgesetz NRW wurde am 26. Juni in Düsseldorf durch einen gewaltsamen Polizeieinsatz verhindert.
Es ist offensichtlich, dass das geplante Gesetz primär dazu dient, Demonstrationen linker Gruppen und Bewegungen signifikant einzuschränken: Namen von Anmelderinnen sollen vorab veröffentlicht werden, Ordnerinnen namentlich benannt werden, die anlasslose Videoüberwachung einer Demonstration soll ermöglicht werden.
All diese rechtswidrigen Angriffe auf die Versammlungsfreiheit nehmen wir als antifaschistisches Bündnis nicht tatenlos hin!

Kommt am 30. Oktober um 11:15 Uhr zum UFA Kino am Hauptbahnhof und reist mit uns gemeinsam zur Großdemonstration nach Köln. Denkt an Proviant, es wird ein langer Tag!

Wir alle zusammen gegen ihre Repression und Verbote!

Weitere Infos gibt es auf der DSSQ Facebook-Seite
https://www.facebook.com/duesseldorfstelltsichquer
https://www.facebook.com/events/855995865060211

Kerzen und Blumen für die Verfolgten des Nazi Regimes – 24.10.2021 – 14:00 Düsseldorf / Gertrudisplatz

22. Oktober 2021

Führung von Gisela Blomberg zu den „Stolpersteinen“

Düsseldorf Eller/Lierenfeld am 24. Oktober 2021

In Düsseldorf gibt es seit 2003 Stolpersteine für Menschen, die während des Faschismus aufgrund ihres Glaubens, ihrer politischen Überzeugungen, ihrer Widerstandsaktionen – oder als „Asoziale“ diffamiert – von den Nazis deportiert, ermordet bzw.in den Suizid gehetzt wurden.

Wir möchten dieser Menschen, die 1945 die Befreiung vom Faschismus nicht erleben konnten, gedenken und beginnen bei den Stolpersteinen für die obdachlose Klara Kerz und die angeblich als „arbeitsscheu“ herabgewürdigten Peter Maus und Robert Raths.
An weiteren 8 Stationen machen wir Halt und erinnern u.a. an die jüdischen Familien Brasch und Sternheim, an den Sozialdemokraten Heinrich Schweden und an die kommunistischen Widerstandskämpfer*innen, darunter der Reichstagsabgeordnete Rudolf Hennig und die Familie Neubeck.

Termin: 24. Oktober 2021 14:00 Uhr,
Treffpunkt: Gertrudisplatz 1 , Düsseldorf- Eller, ÖPNV : Haltestelle Alt-Eller (U75)
Endpunkt: Am Stufstock 23, ÖPNV: Haltestelle Am Stufstock oder Schlesische Straße.
Fußweg: 2,4 km (kein Rundgang!) . Dauer ca. 2 Std.

Unser Kamerad, Pfarrer Friedhelm Meyer hat uns für immer verlassen

20. Juni 2021

Unser Kamerad, Pfarrer Friedhelm Meyer hat uns für immer verlassen.

Mit vielen Freund*innen aus der demokratischen, der antifaschistischen und der Friedensbewegung trauern wir um einen mutigen Mitstreiter, der uns in vielen Jahrzehnten immer unbeirrt zur Seite gestanden hat.
Die Lücke, die Friedhelm hinterlässt, wird schwer zu füllen sein.
Gerne erinnern wir uns an die vielen gemeinsamen Erlebnisse, an die Exkursionen der VVN-BdA nach Paris, nach Straßbourg, an seine Laudatio bei der Überreichung des Düsseldorfer Friedenspreises beim Ostermarsch 2016 an die VVN-BdA Düsseldorf, unsere gemeinsame Einweihung der Gedenktafel für den katholischen Kaplan und Widerstandskämpfer, den späteren Vorsitzenden der VVN Dr.Joseph C. Rossaint an der Kirche St. Mariä Empfängnis in der Düsseldorfer Innenstadt.
Die Würdigung eines solchen erfüllten Lebens fällt schwer.
Deshalb erlauben wir uns, hier Auszüge aus dem Nachruf der Coordination gegen Bayer-Gefahren und der Stiftung Ethik & Ökonomie zu veröffentlichen, die die wesentlichen Stationen des Lebens unseres Freundes Friedhelm Meyer so treffend umreißt, wie es besser schwerlich möglich ist.
Dort wird gesagt:

„Liebe Freundinnen und Freunde,
in Düsseldorf ist ein ebenso bescheidener wie großer Streiter für Frieden, Antifaschismus, Geschlechtergerechtigkeit, Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit, Ökumene, Kapitalismus- und Konzernkritik von uns gegangen, der über Jahrzehnte hinweg das fortschrittliche politische Düsseldorf geprägt hat, wie kaum ein zweiter:
Keine Aktion, keine Demonstration in Düsseldorf konnte beginnen, bevor nicht Friedhelm auf seinem Fahrrad angeradelt war. Er war in Düsseldorf und weit darüber hinaus bei Tausenden bekannt und angesehen.
Das offizielle Düsseldorf hat ebenso wie die offizielle Kirche die herausragenden Leistungen von Friedhelm Meyer für die Stadt (und die Kirche) stets geflissentlich übersehen, bestenfalls bei unzähligen Zusammentreffen in offiziellem Rahmen mit zusammengekniffenen Lippen ertragen.
Es blieb der Düsseldorfer Friedensbewegung überlassen, Friedhelm Meyer 2011 mit dem Düsseldorfer Friedenspreis für sein Wirken zu ehren.
Düsseldorf hat Friedhelm Meyer sehr viel zu verdanken. Sein Name ist untrennbar mit der jüngeren Geschichte der Stadt seit 1960 verbunden.
In Dinslaken und Velbert in einer Familie aufgewachsen, in der drei Generationen bereits Pfarrer waren, studierte Friedhelm Meyer in Bonn und Heidelberg. Er war verheiratet und hatte fünf Söhne.
Sehr prägend war für ihn die Arbeit im „Seminar für kirchlichen Dienst in der Industriegesellschaft“ bei dem früheren Industriepfarrer Horst Symanowski.
Friedhelm Meyer war 35 Jahre Pfarrer in der Hoffnungskirche im Düsseldorfer Stadtteil Garath. Immer wieder hat sein Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und das (Über-) Leben auf der Erde das Missfallen der Kirchenleitung erregt. Vor allem, weil er nicht in den heiligen vier Wänden der Kirche blieb, sondern nach draußen ging und im öffentlichen Raum Widerhall fand. Und zudem konträr zur offiziellen Kirchenhaltung stand.
So z. B. wenn er unüberhörbar den „staatskirchlichen Militärseelsorgevertrag“ anprangerte oder zur alljährlichen Mobilisierung für den Ostermarsch die Kirchenglocken in Garath läutete und die Friedensfahne mit der weißen Taube auf blauem Grund auf der Kirchturmspitze hisste. Es kam schließlich sogar zur offenen Auseinandersetzung, die Kirchenleitung drohte mit Auflösung des Presbyteriums. Was Friedhelm Meyer aber nicht davon abhielt, die gesamte Kirche während des Irak-Kriegs mit einem Riesen-Protest-Transparent zu schmücken
Die gesellschaftspolitische Arbeit war von Anbeginn an oft auch überregional und stets eng verbunden mit der Solidarischen Kirche im Rheinland (SoKi). So war u. a. auch regelmäßig an den Protesten gegen den Kohleabbau im Hambacher Forst beteiligt.
Nach der Beendigung der aktiven Zeit als Pfarrer in Garath hörte das Engagement von Friedhelm Meyer nicht auf, sondern intensivierte sich: U.a. in der SoKi, in der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG), in Ökumenischen Netzwerken im Rheinland (AK processus confessionis) und in Deutschland (Kairos Europa, ÖNiD), bei ethecon Stiftung Ethik & Ökonomie, im Vorstand des Psychosozialen Zentrums für Flüchtlinge, im Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), bei „Düsseldorf stellt sich quer“, in der Initiative „Neue Namen“ (für Urdenbacher Straßen, die nach Kolonialverbrechern benannt sind), im Verein für die Fortsetzung der Sozial- und Kulturarbeit in der – von der Gemeinde inzwischen geschlossenen – Garather Hoffnungskirche, längere Zeit auch in der Solidarität mit den Roma, im Düsseldorfer Sozialforum und beim Obdachlosenprojekt fiftyfifty. Zudem wirkte er bei der Herausgabe mehrerer Bücher mit. Es sei uns verziehen, wenn hier mit Sicherheit viele seiner Wirkungsfelder fehlen.
Friedhelm Meyer war Menschenfreund, Familienmensch, Friedensaktivist, Antifaschist, Kapitalismus- und Konzernkritiker und Umweltschützer.
Beispielgebend war, dass Friedhelm Meyer Antikommunismus nie Raum gab und sich stets für den gemeinsamen Einsatz aller ehrlich interessierten Kräfte für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz einsetzte. Wobei Rassismus, Sexismus und Faschismus für ihn stets rote Linien waren. Und ihm die unversöhnlichen Rahmenbedingungen des Profitdiktats des Kapitalismus stets gegenwärtig waren.
Friedhelm Meyer war sehr eng verbunden mit seiner Frau, die – als Ärztin berufstätig – ihm stets zur Seite stand. Unser herzliches Beileid gilt ihr und der Familie“.

Friedhelm war einer von uns. Er ist am 15. Juni 2021 von uns gegangen.
Deine Freund*innen der VVN-BdA Düsseldorf verabschieden sich von Dir als einem verlässlichen Kampfgefährten. Wir werden in Deinem Sinne weiter wirken.
Der Trauergottesdienst findet am Mittwoch, dem 23. Juni 2021 um 10.00 Uhr in der Ev. Kirche, Urdenbacher Dorfstraße 15 statt. Im Anschluss daran findet die Beerdigung auf dem Ev. Friedhof, Urdenbacher Dorfstraße 1 statt.

Bildunterschrift:
Friedhelm Meyer beim Ostermarsch.
Foto: Gisela Blomberg

Jasper Prigge zur Novellierung des Versammlungsgesetzes

5. Juni 2021

Auch wir, als Teil des Düsseldorfer Bündnisses zum Erhalt des Versammlungsrechts in NRW laden zu dem Online Meeting ein.

Donnerstag, 10. Juni 2021 – 19:00
Facebook Stream (auch ohne FB Konto einsehbar)
https://www.facebook.com/events/151715070312023

Während der pandemie-bedingten Einschränkungen plant die schwarz-gelbe Landesregierung einen erheblichen Angriff auf unsere Versammlungsfreiheit.
Bereits 2018 hat sie ihre „Sicherheitsagenda“ mit dem rigide in Grundrechte eingreifenden Polizeigesetz verabschiedet.
Mit einem Landesversammlungsgesetz für Nordrhein-Westfalen will sie die bisher geltenden Regelungen des Bundesversammlungsgesetzes ersetzen und dabei massiv in unsere Freiheiten eingreifen.
Der Entwurf der Landesregierung ist durch und durch autoritär gestrickt: Anstatt polizeiliche Eingriffe strikter Kontrolle zu unterstellen, um damit (rassistische) Polizeigewalt, Einschüchterung und Überwachung zu unterbinden, verkehrt er die zentrale Bedeutung der Versammlungsfreiheit für eine demokratische Gesellschaft ins Gegenteil und muss daher unbedingt gestoppt werden!
Die Versammlungsfreiheit zählt in der parlamentarischen Demokratie zu den zentralen Grundrechten, weil sie es Bürger:innen ermöglicht, ihre Anliegen auf die Straße zu tragen und Missstände anzuprangern.
Demokratie braucht lebendige Versammlungen – die Landesregierung plant mit ihrem Gesetzesentwurf einen Angriff auf die Zivilgesellschaft.

Der Rechtsanwalt Dr. Jasper Prigge hat sich mit der Novelle kritisch auseinandergesetzt und stellt sie und ihre Folgen für die Zivilgesellschaft in dieser Onlineveranstaltung dar.
Bereits bei der Verschärfung des Polizeigesetzes NRW 2019 hat Jasper Prigge eine kritische Analyse gestellt und damit die Deutungshoheit der Landesregierung infrage gestellt.
Die veranstaltung wird am 10.06.21 über Zoom und die Facebookseite vom NRW Bündnis gestreamt (https://www.facebook.com/VersGNRWstoppen).
Organisiert wird die Veranstaltung von einem lokalen Bündnis aus Düsseldorf welches sich gegen die Novelle des Versammlungsgesetz NRW stellt.
Teil dieses Bündnisses sind:
@die.linke.duesseldorf
@die_linke.sds_duesseldorf
@dkpduesseldorf
@duesselfalken
@i.furiosi
@jusosddorf
@linksjugend_solid_duesseldorf
@sdajduesseldrof
@sds_wuppertal
@vvnbda
VDJ
ver.di düsseldorf
mit Unterstützung durch:
@versammlungsgesetznrwstoppen

80 Jahre nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion – Der andere deutsche Völkermord – Referat und Diskussion mit Hannes Heer, Hamburg

4. Juni 2021

80 Jahre nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion:
Der andere deutsche Völkermord
Referat und Diskussion mit Hannes Heer, Hamburg
Dienstag, 15. Juni 2021, 19:00 Uhr
ZAKK, Fichtenstr. 40
(Halle oder Biergarten. Die aktuellste Information unter zakk.de)
Eintritt frei. Für Spenden zur Finanzierung sind wir dankbar.
Es laden ein: Friedensforum Düsseldorf, VVN-BdA NRW, Alois Stoff-Bildungswerk der DFGVK
NRW, Ver.di Ortsvorstand Düsseldorf, ZAKK

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

am 22. Juni jährt sich der Tag des unprovozierten deutschen Überfalls auf die Sowjetunion zum 80. Male – und damit der Beginn eines beispiellosen Vernichtungs- und Raubkriegs gegen die Menschen dieses Landes, die damals pauschal „Russen“ genannt wurden. Und noch heute, oder müssen wir sagen: heute wieder?, ist „der Russ'“, oft in Gestalt des russischen Präsidenten Putin, für viele der Inbegriff des Feindes, der „uns“ bedroht und vor dem „wir“ uns mit immer mehr und immer tödlicheren Waffen zu schützen haben.

Um den gefährlichen politischen Folgen dieser Geschichtsvergessenheit zu begegnen, laden wir, zusammen mit anderen Organisationen, für den 15. Juni zu einem Abend im ZAKK ein, bei dem der renommierte Historiker Hannes Heer über den „anderen deutschen Völkermord“, die zig-millionenfache Ermordung von Bürgern der Sowjetunion und anderen, im Nazi-Jargon: „slawische Untermenschen“, sprechen und mit uns diskutieren wird. Den Text der Einladung dazu findet ihr, in zwei Formaten, als Anhang.

Wir hoffen auf eure rege Beteiligung. Und wir bitten euch herzlich, diese Einladung weiterzugeben, ausgedruckt oder über eure eigenen Mailverteiler. Aufgrund der restriktiven „Corona“-Bestimmungen können wir sie derzeit nämlich nicht einmal im ZAKK auslegen.

Mit solidarischen Grüßen

FRIEDENSFORUM DÜSSELDORF

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„Der 8. Mai muss Feiertag werden!“

10. Mai 2021

VVN - 8. Mai 2021

Die Gedenkveranstaltung der VVN-BdA Düsseldorf zum Jahrestag der Befreiung vom Faschismus ist eine von zahlreichen Veranstaltungen und Demonstrationen von München,
Hamburg bis Berlin, bei denen tausende die Forderung nach einem Feiertag der Befreiung unüberhörbar erhoben. Gleichzeitig ging es aber auch um den Protest gegen zunehmende Polizeigewalt, Überwachung und Rassismus.
Auf der Berliner Kundgebung richtete die Auschwitz-Überlebende und Ehrenvorsitzende der VVN-BdA Esther Bejarano an die Teilnehmer*innen den Appell:
„Es gab nie eine Stunde Null. Alte Nazis bauten die Polizeibehörden, das Militär und viele Behörden in der Bundesrepublik auf. Diese Kontinuitäten und der aggressive Antikommunismus sind auch Ursachen für die heute fast täglich bekannt werdenden rassistischen und antisemitischen Vorfälle in den Sicherheitsbehörden.“

Die Kundgebung zum Tag der Befreiung in Düsseldorf fand am KZ-Außenlager der Deutschen Erd- und Steinwerke (einem Außenlager des KZ-Buchenwald) am Mahnmal an der Kirchfeldstraße statt. Mehr als 50 Teilnehmer*innen unterschiedlichster gesellschaftlicher, politischer und religiöser Richtungen konnten begrüßt werden.Die Ausführungen von Alex Specht als Mitglied des Kreisvorstandes der VVN-BdA stießen
auf Interesse und Zustimmung.
Alex führte unter anderem aus:
„Wir alle wissen, wie in den letzten Jahren rechtsextremes Gedankengut, Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und die Ausgrenzung von sogenannten Minderheiten auch in der Mitte der der Gesellschaft noch stärker öffentlich breitgetreten wird.
Ausssagen wie „ein Vogelschiss in der Geschichte“ oder die „180 Grad Wende“ verhallen ohne irgendwelche Konsequenzen. Der Staat schaut weg, versagt in der Bekämpfung des Rechtsextremismus und -Terrorismus und unterstützt ihn sogar.

  • siehe NSU, Halle und Hanau,
  • siehe die brennenden Flüchtlingsunterkünfte im Jahr 2015,
  • siehe Rostock-Lichtenhagen, Mölln, Solingen, Hoyerswerda,
  • siehe Nordkreuz, die Skandale in den Behörden, Polizei und Bundeswehr
  • siehe die mehr als 200 von Faschisten ermordeten Menschen der letzten Jahrzehnte.
    Der Staat schaut bewusst weg und unterdrückt den antifaschistischen Widerstand.
    Und genau deswegen ist es heute wichtiger denn je, dass endlich ein eindeutiges Zeichen gesetzt wird. Ein Zeichen gegen (neo)Faschismus. Gegen jeden Rechtsextremismus!
    Macht endlich den 8.Mai zum Feiertag! Setzt ein Zeichen, dass sich etwas ändern wird.“

Falk Mikosch als einer der Landessprecher*innen der VVN-BdA NRW setzte sich mit der geplanten Änderung des Versammlungsgesetzes für NRW auseinander.
Dabei handele es sich um ein Versammlungsverhinderungsgesetz, das den Neofaschisten und Rechtsextremisten die Straße frei mache.
Es könne nicht verbessert werden, es müsse ganz zurückgezogen werden!

Link zur Rede von Alex Specht

ReportD Artikel vom 09. Mai 2021

DSSQ – Neonazi-Aufmarsch „Die Rechte“ am 1. Mai in Düsseldorf gestoppt – Düsseldorfer Polizei hofiert Neonazis und Antisemiten

2. Mai 2021

Auch wir beteiligten uns am 1. Mai an der Protestkundgebung des Bündnisses „Düsseldorf stellt sich quer“gegen eine angekündigte Kundgebung und Demonstration der Neonazi-Splitterpartei „Die Rechte“.

Hier die Pressemitteilung von DSSQ:

Neonazi-Aufmarsch „Die Rechte“ am 1. Mai in Düsseldorf gestoppt Düsseldorfer Polizei hofiert Neonazis und Antisemiten

Mehrere hundert Menschen beteiligten sich am 1. Mai an einer Protestkundgebung des Bündnisses „Düsseldorf stellt sich quer“gegen eine angekündigte Kundgebung und Demonstration der Neonazi-Splitterpartei „Die Rechte“ am Hauptbahnhof. Statt ihre Kundgebung am Hauptbahnhof abzuhalten, ließen sich die angereisten Neonazis allerdings von der Polizei mit einer U-Bahn zur Tonhalle bringen. Von dort marschierten sie über die Königsallee in Richtung Landtag. Die Polizei versuchte den Aufmarsch ohne Störungen und Gegenprotest in Hör- und Sichtweite stattfinden zu lassen. DSSQ begleitete den Naziaufmarsch trotzdem mit lautem Protesten und brachte ihn schließlich am Graf-Adolf-Platz zum Stehen.

Christian Jäger, Sprecher von Düsseldorfs stellt sich quer:
„Annähernd tausend Menschen haben sich heute in Düsseldorf den Rechten entgegengestellt und ihren Aufmarsch gestoppt. Unsere Botschaft ist:
Naziaufmärsche laufen in Düsseldorf nicht! Hier ist kein Platz für rassistische Propaganda.“

„Die Polizei hat alles getan, um die Nazis am DSSQ-Protest vorbei in die Innenstadt zu bringen. Es gab dabei Übergriffe gegen Antifaschisten, es gab Versuche, den Protest von den Nazis fernzuhalten. Das hat den Rechten aber letztlich nichts genützt. Wir hoffen, dass es solche Versuche in Zukunft nicht mehr geben wird“, kritisiert Oliver Ongaro den Polizeieinsatz am Samstag.

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